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Anfang
der neunziger Jahre waren wir auf der Norla, der Landestierschau in
Rendsburg
(Schleswig-Holstein). Dort fanden auch Hütevorführungen mit
Border-Collies
statt. Die Hunde faszinierten uns und wir informierten uns bei den
Schäfern
über diese Rasse. "Wenn der Hund nur 2 Stunden täglich
"arbeiten"
kann und in den Wintermonaten gar nichts zu tun hat, ist ein Border
für
uns die falsche Wahl. Er würde nicht glücklich sein und ist
eben
daher nicht der passende Hund für uns. Schade, dachten wir, aber
dann
lassen wir lieber die Finger von dieser Rasse. Zu meinem nächsten
Geburtstag bekam ich von meienm Mann ein Buch über Border-Collies.
Er wusste, dass dieses Thema bei mir noch nicht abgehakt war. Aber die
Aussagen der Schäfer gingen mir nicht aus dem Kopf...
Heute
weiß
ich, dass Border-Collies auch zufrieden sind, wenn man sich viel Zeit
nimmt
und sie mit anderen Aufgaben beschäftigt. Das sieht man bei den
leidenschaftlichen
Borders beim Agility. Nur - uns war klar, Hände weg vom Border.
Die Jahre
vergingen,
in denen wir unsere Herde an der Straße 4 Monate jährlich
durch
unseren Ort trieben. Immer mit mehreren Leuten, die aber nicht
verhindern
konnten, das Lämmer in die gepflegten Vorgärten der Nachbarn
entschlüpften, wo es leckere Rosen zu naschen gab. Jahre, in denen
wir mindestens zu zweit unsere alten Tiere auf den Melkstand bekommen
mußten.
Mit Liebe und Leckereien war da nichts zu machen. Einfach typisch
Ziegen,
was ja auch toll ist. Manchmal drohten wir diesen Tieren aber auch mit
dem Schlachter, was nebenbei bemerkt aber auch nichts bewirkte.
Wir
schaffen es
auch ohne Hund!
Ja, so war
es.
Im
Frühjahr
und im Herbst wird halt Gras gemäht - die Tiere kommen nicht mehr
stundenweise auf frische, entferntere Wiesen, zum Melken müssen 2
Leute los und es braucht halt Zeit bis die Herde vom Gras zum Melkstand
kommt. In der Decksaison ist es auch nicht einfach, nur einen Bock aus
der Gruppe herauszubekommen.
Aber -
wir schaffen
es auch ohne Hund!
Dann zog zu
unserem
kleinen Mischling eine Airedale-Hündin bei uns ein. Sie zeigte
auch
oberflächliches Interesse an der Herde. Das nutzten wir aus. Sie
lernte
es, die meisten Tiere zum Melken zu holen - für die Anderen
mußten
wir doch noch laufen. Eines Tages wollte sie durch den Elektro-Zaun
schon
zu den Tieren. Auf das Abrufen hörte sie nicht und so "biss" der
E-Zaun
zu. Ab diesem Tag waren Ziegen für unseren Airedale erledigt. Sie
wollte nichts mehr von ihnen wissen. Als Familienhündin ist sie
prima,
nur für die Herde hatten wir immer noch keinen Hund.
Wir
schaffen es
auch ohne Hund!
Als wir im
Sommer
02 in Italien auf einem Rastplatz hielten, lernten wir eine nette
Schweizer
Familie kennen, die auch nach Südfrankreich fuhren. Bei ihrem Hund
dachte ich "ist das aber eine gelungene Mischung" und Günter: "was
für eine seltene Rasse?".
Im
Gespräch
stellte sich heraus, daß die Hündin eine tolle
Familienhündin
ist, aber auch ganz gute Hüteeigenschaften hat. Bettina
erwähnte,
daß sie die Hündin schweren Herzens dem Hund zuliebe in
Hütehände
abgeben würde. Sie glaubte, das der Hund dann glücklicher ist.
Welch ein
Zufall
!!!Zusammentreffen einfach so kommen mußte. Wir trafen uns
während
des Urlaubs und dann auch nach drei Wochen in der Schweiz. Ich fragte
mich,
ob es richtig ist, einen Hund nur wegen seiner Hüteveranlagung aus
einer intakten Familie zu reißen. Bettina und die Hündin
hatten
ein so tolles Verhältnis miteinander, daß ich das
Gefühl
hatte, es ist falsch, den Hund mitzunehmen. Bettina liebte ihre
Hündin
über alles - was tat ich ihr nur an!
Also
beschlossen
wir gemeinsam eine Probezeit, in der die Hündin entscheiden
sollte,
was gut für sie ist.

NAIRA - die Picardhündin
Durch
unendliche
Telefonate (und Internetrecherche) von Südfrankreich nach
Deutschland
(was das kostet!) lernten wir Ingrid, Wilfried und Stefan kennen.
Ingrid
und Wilfried haben auch eine Picardhündin. Sie sind sehr
hlifsbereit,
gastfreundlich und einfach super. Spontan wurden wir zum Grillen,
Kaffee
und Klönen eingeladen. Hier entstand auch eine neue Bekanntschaft
mit lieben Menschen. An dieser Stelle danke an Euch, für alles was
Ihr für das Zusammenwachsen von Naira und uns getan habt und noch
tut!
Durch sie
lernten
wir Stefan kennen. Er hat 140 Schafe , 6 Border-Collies und Erfahrung
im
Umgang mit - und Ausbildung von Picards. Stefan ist bereit, uns bei der
Ausbildung (und erst einmal Probe) von Naira zu helfen.
Uns war
innerhalb
kurzer Zeit klar, daß dieses Nachdem ich nachts nicht schlafen
konnte
(wird sie hüten , hat sie Spaß oder nicht?) war der erste
Hütemorgen
da.
Wilfried und
Günter
organisierten mit den Kids eine Abenteuertour, Ingrid fuhr mit mir und
den Hunden zu Stefan. Meine Knie wurden weicher und weicher. Wie
verhält
sie sich? Will sie das überhaupt?
Dann kamen die
Schafe.
Naira bellte, jaulte und zog an ihrer Leine. Also: Interesse hatte sie
schon mal. Stefan nahm sie dann mit zur Herde. Ja, Naira ist
Hütehund!
Hier ist sie glücklich. Nach 4 "Grundschullektionen" mußten
wir nach Hause fahren. Stefans Tip war, Naira noch nicht an unsere
Ziegen
zu lassen. Das ist sehr schwierig, weil wir täglich 3-4 Stunden
bei
ihnen sind. Naira blieb dann auch am ersten Abend während des
Melkens
im Auto. Am nächsten Morgen kamen die Tiere teilweise nach vorne
an
den Zaun . Also ließ ich Naira mal kurz aus dem Auto. Ich zeigte
ihr die Ziegen - sie schaute weg!
Das geht ja
schon
gut los! Abends sollen die Ziegen nach hinten auf die Wiese, eigentlich
ein Job für sie.
1.
Grundschulstunde:
Nachtreiben. Jetzt sind wir mutig und versuchen es einfach.
- Wieder mit
Gummiknien
- hole ich Naira und lege sie ab. Der Herde folgen, warten, folgen,
down
wenn sie zu dicht herankommt. Nairas Reaktion: Blöde Unterordnung,
das macht
keinen
Spaß!
In diesem
Augenblick
sind wir wohl alle enttäuscht. Günter , ich und Naira. Das
hatten
wir uns anders vorgestellt.
Dann
entscheidet
eine Ziege, daß sie nicht mitkommen möchte. Nach
Aufforderung
überlegt Naira - holen oder nicht? - und plötzlich versteht
sie
es, man merkt es ganz deutlich:
Ziegen sind wie Schafe,
Schafe sind wie Ziegen!
Jetzt wird sie
wach,
holt die Ziege super zur Gruppe zurück und darf sie auf der
unteren
Wiese zusammenhalten. Sie hat es verstanden!
Nun kommt sie
auch
mit zum Melken und - was ist für einen Hund leckerer als
Ziegenmilch?
Davon ist sie ganz begeistert.
 
Der
nächste
Versuch:Die Herde soll auf das obere Koppelstück. Naira
möchte
hüten, zeigt sehr schön, daß sie die Tiere, die sich
entfernen,
zurückholt. Nur: Ziegen sind eben doch keine Schafe. Unsere Tiere
haben schon ihren eigenen Kopf. Dedelweiß, unserer ältesten
Ziege, ist es zu blöd auf einen Hund zu hören. Sie marschiert
einfach aus der Gruppe heraus. Naira schubst sie zweimal von vorne an,
um sie wieder in die Gruppe zu bringen. Das mag Dedelweiß nicht
und
kneift Naira.

Wir helfen
unserer
Hündin und bringen Dedelweiß in die Herde zurück. Naira
ist ganz stolz dass sie das geschafft hat.
Melkzeit, die
Herde
ist ganz unten auf der Wiese und das Gras ist leckerer als die
Bioland-Körner.
Also bleiben unsere Ziegen, wo sie sind. Ich bin mit Naira allein und
frage
mich, ob wir es schaffen, die Herde zu holen. Nach dem Motto: Wer nicht
wagt, der nicht gewinnt, laufen wir die ca. 400 Meter auf unsere Ziegen
zu. Jetzt setzen sich einige Tiere in Bewegung und auf das Komando "geh
raus, weit raus" bringt Naira sie dichter zusammen. 2 Ziegen
akzeptieren
mich nicht als Spitze der Herde. Einmal ins Laufen gekommen,
stürmen
sie vor. Eigentlich soll Naira ja die hinteren Tiere mitbringen. Zu
meinem
Erstaunen - typisch Picard, oder meine (Dickkopf) Naira - stürmt
sie
an mir vorbei und treibt die Ausgebüchsten wieder zu mir. Dann
geht
sie wieder nach hinten...
Ein
Schäfer
sagt jetzt bestimmt: Hierfür gab es keine Aufforderung. Für
mich
war es aber super, weil Naira mitgedacht hat.
Beim
nächsten
Wegbringen der Herde klappt es schon richtig gut. Unsere Ziegen sind
auf
dem frischen Gras und fressen genüsslich. Naira liegt zufrieden
abgelegt
im weichen Grün nach dem Komado "fertig". Das heißt, jetzt
ist
Feierabend und Schluß für sie. Das hat sie schon prima
verstanden.
Unsere Ziegen
sind
aber eben Ziegen und das ist das faszinierende an diesen Tieren, denn
sie
haben verstanden, dass der Hund jetzt nichts mehr tut. Promt läuft
Franka auf die Hündin zu, die ich zu mir rufe und jagt hinter ihr
her!
Ein
unglaubliches
Bild - Ich greife mir Franka und bringe sie in die Herde
zurück.
Das Leben
mit Kindern,
Hunden und Ziegen ist schon aufregend und schön, aber
durch Naira in der Familie und Herde noch besser geworden. Jeden Tag
gibt
es etwas neues. In der Familie und mit den anderen 2 Hunden klappt es
prima.
Unsere Katzen sind zur Zeit "etwas häufiger aushäusig", aber
ich hoffe, daß sich das noch ändern läßt. Unser
kleiner
Sohn hat den Streichelpart bei Naira übernommen, sonst ist sie
überwiegend
in meiner Nähe. Sie hat sich innerhalb kürzester Zeit in
unser
Leben und unsere Herzen geschlichen. Wir möchten sie nicht mehr
missen.
Einen ganz herzlichen Dank an Bettina und ihre Familie, die uns diese
Erfahrung
überhaupt erst ermöglicht.
Das
Leben und
dazu einen Picard, das ist eine unglaubliche Summe.
( frei nach
Rainer
Maria Rilke, aus dem Buch "Der Berger Picard" von Heike Fox )
Wenn Sie
der Werdegang
unseres Picards interessiert - wir werden hier weiter aktuelle
Ereignisse
aufführen. Gabi L.
> zum
Picard-Treffen
am 6.10.2002 am Wildpark Schwarze-Berge
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